HSV mit historischem Punkt in der Klingenhalle

60 Minuten Kampf pur, eine Achterbahnfahrt der Emotionen, ein sportliches Auf und Ab beider Teams, das im 30:30 zwischen dem HSV Solingen Gräfrath und der SG H2Ku Herrenberg mündete, und eine deutlich bessere Körpersprache der Gastgeberinnen als zuletzt in Nürtingen sahen die Zuschauer am Samstagabend in der Solinger Klingenhalle. „Im Vergleich zu den letzten Wochen war die Leistung kämpferisch und emotional herausragend, die Einstellung stimmte. Vom Spielverlauf ärgert man sich sicherlich über das Unentschieden, dennoch spreche ich von einem gewonnenen Punkt“, bilanzierte Gräfraths Trainerin Kerstin Reckenthäler unmittelbar nach dem Auftritt ihrer Schützlinge, die vor heimischem Publikum den ersten Punkt in der 2. Bundesliga Frauen und somit auch in der Solinger Sportgeschichte einfahren konnten. Während sowohl Marie Beddies, Lea Neubrander als auch Kerstin Foth jeweils fünfmal für die Gäste einnetzen konnten, avancierte Mandy Reinarz für die Bergischen zur Topscorerin. Die Kapitänin, mit sieben Treffern aus sieben Versuchen vom Siebenmeterpunkt und vier Feldtoren erfolgreich, wurde im Nachgang intern zur Spielerin des Spiels gekürt: „Zudem war Mandy an vielen weiteren Treffern beteiligt, weil sie ihre Nebenleute immer wieder gekonnt in Szene gesetzt hat. Mandy hat körperlich alles in dieses Spiel transportiert, das Team angeführt und musste letztlich sogar unter Krämpfen vom Spielfeld getragen werden.“

Eine derartige Mentalität und Bereitschaft war von der ersten Spielminute an zu spüren, der Liga-Neuling erwischte auch den besseren Start in die Partie und zwang Herrenbergs Coach Mike Leibssle bereits in der 12. Spielminute beim Stand von 7:4 zur ersten Auszeit. In Halbzeit eins ragte vor allem Shooterin Vanessa Brandt heraus, die mit fünf verwandelten Würfen aus dem Rückraum glänzte. Der HSV hielt die Baden-Württembergerinnen auf Distanz und erspielte sich eine wohl verdiente 15:13-Führung mit dem Pausenpfiff. „Insgesamt haben viele Spielerinnen einen Beitrag zu dieser überzeugenden Leistung beisteuern können“, freute sich Reckenthäler sichtlich. Laura Sosnierz „ackterte bis zum Umfallen, Leonie Heinrichs erzielte drei sensationelle Treffer zu Beginn des zweiten Durchgangs, Sandra Münch zeigte die gewohnte Bereitschaft, in die Lücken zu gehen und Verantwortung von der Siebenmeterlinie zu übernehmen, wenn ihre Zwillingsschwester Mandy Reinarz zuvor gefoult wurde“. Die Klingenstädterinnen spielten sich bis zur 47. Minute und dem 26:19 durch Reinarz in einen Rausch, zeigten hohes Tempo und eine stabile Defensive. Doch dann kam der Bruch ins Spiel der Solingerinnen. „Natürlich hätten wir diesen Vorsprung gerne genutzt, um zwei Punkte einzufahren. In entscheidenden Situationen fehlte uns wieder einmal ein bisschen Glück, wir müssen hier einfach einen kühleren Kopf bewahren und weniger Fehler machen“, verrät die A-Lizenz-Inhaberin, die sich die Augen reiben musste, als Anika Bissel die hohe HSV-Führung in der 57. Minute tatsächlich egalisieren konnte. Sandra Münch verwandelte in der Schlussphase erneut einen Strafwurf zum 30:29, die im Zweikampfverhalten stark auferlegte Marie Beddies glich im direkten Gegenzug zum 30:30-Endstand aus. „Jeder Punkt bringt unser positives Denken letzten Endes nach vorne. Mit dem Schwung starten wir nun in die neue Woche und bereiten uns gezielt auf Kirchhof vor“, so die Marschroute der 37-Jährigen.

Foto: Lars Breitzke

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